Fabrizierte und/oder Induzierte Krankheit & medizinische Kindesmisshandlung
CME Zertifizierte Fortbildung einer Arbeitsgruppe der ÖGKiM
Chryssa Grylli1 · Kira Borgardt1 ·
Christian Heil2 · Oliver Berthold3 ·
Eva Anna Mora-Theuer1 ·
Johanna Schöggl1 · Katharina Weimann1 · Martin Ploder4
1 Klinische Abteilung für Pädiatrische Pulmologie, Allergologie und Endokrinologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich
2 Landeskrankenhaus Salzburg, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie, Salzburg, Österreich
3 DRK Kliniken Berlin Westend, Medizinische Kinderschutzhotline, Kinderschutzambulanz, Berlin, Deutschland
4 Abteilung für Kinder- und Jugendchirurgie, Klinik Donaustadt, Wiener Gesundheitsverbund, Wien, Österreich
Publiziert (Open Access):
- 28. August 2025 – Monatsschrift Kinderheilkunde – Springer: https://doi.org/10.1007/s00112-025-02266-x
- 22. Oktober 2025 – Rechtsmedizin – Springer: https://doi.org/10.1007/s00194-025-00805-0
Zusammenfassung
Fabrizierte und/oder Induzierte Krankheit (FII, ehemals Münchhausen-by-Proxy-Syndrom)/medizinische Kindesmisshandlung (MKM) ist eine Form der Kindesmisshandlung, bei der ein Kind oder Jugendliche*r unter 18 Jahren durch Handlungen einer Betreuungsperson (BP) unnötige medizinische Behandlungen erhält. Im Folgenden werden Definitionen, alarmierende Anzeichen und das empfohlene Vorgehen in Verdachtsfällen von FII/MKM erläutert. Die neuen Begriffe FII (in Österreich) und MKM (in Deutschland) stellen das Erleben des Kindes in den Mittelpunkt und machen deutlich, dass dieses ein Misshandlungsopfer ist. Die Diagnose wird unabhängig von den Beweggründen oder der psychologischen Verfassung der BP gestellt. Der Begriff Perplexe Krankheitsdarstellung (PK) wird eingeführt, wodurch neue Ansätze für das empfohlene Vorgehen in solchen Fällen vorliegen. Das Erkennen von alarmierenden Anzeichen und ein multidisziplinärer Ansatz sind entscheidend, um das Kind vor weiterer Gefährdung zu schützen.
